Vor einigen Jahren saß ich zum ersten Mal in einer echten finnischen Sauna – und habe an einem Abend mehr übers Saunieren gelernt als in den zehn Jahren davor. Was die Finnen anders machen? Fast alles. Und das Schönste: Du kannst es ganz einfach übernehmen. — Nico, Gründer von wellow
Löyly – warum die Finnen den Dampf für heilig halten
In Finnland gibt es ein Wort, das alles verändert hat, wie ich über Sauna denke: Löyly. Übersetzt heißt es so viel wie „Geist“ oder „Atem“ – gemeint ist genau der Schwall, der aufsteigt, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft. Für die Finnen ist das kein technischer Vorgang, sondern fast etwas Heiliges. Nicht umsonst ist die finnische Saunakultur seit 2020 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt – als bislang einzige Saunakultur der Welt. Bei 5,6 Millionen Einwohnern gibt es dort über drei Millionen Saunen. Dieser eine Gedanke hat mir den Kopf verdreht: Der Aufguss ist kein Knopf, den man drückt. Er ist der Moment, in dem die Sauna lebendig wird. Seitdem gieße ich nie wieder einfach nebenbei auf.
Weniger Wasser, mehr Gefühl – die Kunst des Aufgusses
Der Saunameister heißt auf Finnisch „Löylyheittäjä“ – wörtlich der, der den Löyly wirft. Was ich bei ihm gesehen habe, hatte wenig mit dem wilden Handtuchwedeln zu tun, das wir aus mancher Sauna kennen. Er goss langsam. Kelle für Kelle. Dazwischen ließ er Pausen, spürte in den Raum hinein, las die Stimmung der Gruppe. Mal mehr, mal weniger – nie nach Schema. Das habe ich mir abgeschaut: lieber drei kleine, bewusste Güsse als die ganze Kelle auf einmal. Der Dampf wird dann sanfter, runder, und die Hitze legt sich wie eine Decke um dich, statt dich zu erschlagen. Eine gute Kelle hilft enorm – ich nutze bis heute am liebsten eine schlichte aus Holz. Du findest sie bei unseren Saunaeimern & Kellen.
„Frag, bevor du gießt“ – Respekt gehört dazu
Ein Satz aus Finnland ist mir besonders hängengeblieben: „In der Sauna benimmt man sich wie in der Kirche.“ Damit ist keine Strenge gemeint, sondern Achtsamkeit. Bevor dort jemand Wasser auf die Steine gibt, fragt er kurz in die Runde. Eine Selbstverständlichkeit, auf die ich vorher nie gekommen wäre. Denn nicht jeder verträgt denselben Löyly – was für den einen wohlig ist, raubt dem anderen die Luft. Diese kleine Geste hat etwas verändert. Saunieren ist plötzlich kein Nebeneinander mehr, sondern ein Miteinander. Probier es aus: Frag beim nächsten gemeinsamen Saunagang einfach, bevor du aufgießt. Du wirst merken, wie viel wärmer die Stimmung wird – im wahrsten Sinne.
Der Duft kommt aus der Natur – nicht aus der Chemie
Was die Finnen ins Wasser geben, ist herrlich unkompliziert: ein paar Tropfen ätherisches Öl, manchmal frische Birkenzweige, der berühmte „Vihta“. Nichts Künstliches. Genau das war für mich die Erkenntnis, mit der wellow eigentlich angefangen hat. Ich wollte Düfte, die so ehrlich sind wie der finnische Wald selbst. Deshalb arbeiten wir bis heute mit reinen, natürlichen Aufgüssen – mein persönlicher Anker im Winter ist unser Zirbelkiefer-Honig, der riecht wie ein Spaziergang durch den Alpenwald. Im Sommer greife ich lieber zu frischer Zitrone oder Bergamotte. Wenn du erleben willst, was die Finnen meinen, schau dir unsere Sauna-Aufgusssets und reinen ätherischen Öle an. Ein, zwei Tropfen reichen – mehr braucht echter Löyly nicht.
Vihta – die sanfte Massage mit Birkenzweigen
Eine Sache fand ich in Finnland erst seltsam – heute will ich sie nicht mehr missen: den Vihta. Das ist ein Bündel frischer Birkenzweige, mit dem man sich in der Sauna sanft abklopft. Beim ersten Mal habe ich nur zugeschaut. Beim zweiten Mal war ich verliebt. Die Zweige kitzeln, die Haut prickelt, die Durchblutung kommt in Schwung – und die ganze Kabine riecht plötzlich nach Wald nach dem Regen. Massage und Aromatherapie in einem, ganz ohne Technik. Wenn du es ausprobieren willst, brauchst du nur einen guten Quast. Unsere Birkenreisig-Bündel sind aus echten getrockneten Blättern – einfach kurz im heißen Wasser einweichen, dann sanft über Schultern und Rücken gleiten lassen. Natürlicher geht Wellness kaum.
Und wenn Du nicht auf das Abklopfen stehst, dann lege den warmen Zweig einfach mal auf deinen Bauch wenn Du liegst & entspannst.. vertrau mir.
Stille statt Smalltalk – warum mein Handy weg bleibt
In einer finnischen Sauna ist es still. Kein Smalltalk, kein Handy, kein Termindruck – einfach sitzen, atmen, schwitzen. Das hat mich anfangs irritiert. Heute ist es genau der Grund, warum ich abends überhaupt reingehe. Nach einem stressigen Arbeitstag brauche ich nicht noch ein Gespräch. Ich brauche Ruhe im Kopf. Und die Wärme macht genau das: Sie zwingt dich, langsamer zu werden. Die Gedanken, die den ganzen Tag Karussell gefahren sind, werden leiser. Der Körper fährt runter, das Stresshormon Cortisol kommt zur Ruhe, die Schultern sinken. Zwanzig Minuten ohne Bildschirm – und ich komme als ein anderer Mensch wieder raus. Mein Tipp: Lass das Handy beim nächsten Mal bewusst draußen. Die Sauna ist der eine Ort, an dem du wirklich nicht erreichbar sein musst.
Sauna gehört in den Alltag – nicht nur in den Urlaub
Das hat mich vielleicht am meisten verändert. Bei uns ist Sauna oft ein Event: einmal im Monat, schön groß, am besten im Spa. In Finnland ist sie so normal wie Zähneputzen – es gibt dort mehr Saunen als Autos. Kein Luxus, sondern Alltag. Lange habe ich auf den „besonderen Moment" gewartet. Heute weiß ich: Nicht die eine perfekte Session bringt die Ruhe, sondern die Regelmäßigkeit. Gerade nach vollen, stressigen Wochen ist mein fester Saunaabend der Anker, der mich runterbringt. Zwei-, dreimal die Woche, ganz unaufgeregt. Der Kopf wird ruhiger, der Schlaf besser, der Stress fällt Stück für Stück ab. Du brauchst dafür keine große Anlage – nur die Entscheidung, dass dein Wohlbefinden einen festen Platz in der Woche verdient.
Was davon bei mir geblieben ist
Am Ende war es nicht die heißeste Sauna oder die teuerste Anlage, die mich verändert hat. Es war die Haltung. Langsamer aufgießen. Respektvoll teilen. Natürliche Düfte. Und den Aufguss als das behandeln, was er ist – ein kleines Ritual, kein Reflex. Du brauchst dafür kein Ticket nach Finnland. Nur etwas Wasser, einen guten Duft und die Bereitschaft, den Moment ernst zu nehmen. Genau dafür gibt es wellow. Und vielleicht ist das die schönste Lektion der Finnen: Die beste Sauna ist nicht die größte – sondern die, in der du wirklich ankommst.
— Nico, Gründer von wellow



